Oh , reiner Widerspruch( جستاری درباره ی گور نوشته ی ریلکه به آلمانی)
Aber Rilke war ein genailer wahrer Dichter . Er hat am Anfang seiner Arbeit schöne zum Teil sentimentale neuromantische Werke , dann geht er weiter , zum Symbolismus und Poesie der Dinge d.h. „Dinggedicht“ , dann zum meditativen Ausdruck der hohen mystischen oder metaphysichen Gefühle , in einer kalgvollen Form wie bei „Stundenbuch“ . Am Ende seiner Arbeit tauchen auch geheimnisvollen und rätselhaften Botschaften auf , die tief in ganz persönlichen Erlebnisse wurzeln, zumal in seiner späten sogenannten„Elegien“ und „Sonetten“ , die ich vor einigen Jahren ins Persische übersetzt habe.
Jeder Leser begegnet ihn als Lyriker , Schriftsteller und Kritiker mit seinem eigenen Geschmack, und jeder findet etwas Höhes bei ihm .Viele poetische Momente, die in Werken anderer Dichtern findet man nie und ihm ganz eigen sind.
Die berühmte Inschrift , aus der Spätgedichte ,die Rainer Maria Rilke beim Abfassen seines Testaments in Spätherbst 1925 als Epitaph entwarf, ist kurz , aber alles andere als bündig. Sie ziert bis heute seinen Grabstein im Kirchhof von Raron. In diesem Gedicht geht es gewiß um zwölf Wörter , nur zwölf Wörter , die einen einzigen , in Appositionen gegliederten und über drei Zeilen verteilten Satz bilden. Aber so leicht dieser Satz zu lesen und jedes Wort in seiner syntaktischen Funktion zu erfassen , so schwer ist es, dem Ganzen eine eindeutige , keiner weiteren Erklärung bedürftige Aussage zu entnehmen.
Wir fazinieren zuerst von seiner Originalität und scheinbaren Einfachheit, dann versuchen wir das in ihm enthaltene „Problem“ zu lösen.Freilich kommen wir zu diesem Ergebins ,daß es nicht möglich ist und wohl auch nicht gänzlich möglich sein soll.
Untersucht man zum Beispiel die Schlüsselworte im Hinblick auf den Gebrauch , den der Dichter anderswo von ihnen macht, dann schillert schon die „Rose“ in vielen , über naheligend-traditionelle Symbole (etwa für Liebe oder Schönheit oder Tod und Trauer ) hinausgehenden Bedeutungen. Hier sollten wir sie uns vielleicht als Sinnbild des aus dem Grabe heraus nachwirkenden Dichters vorstellen wie in dem vielzitierten fünften Sonett, aus „Sonetten an Orpheus“ ,in dem es heißt:Errichtet keinen Denkstein .“ Laßt die Rose, /nur jedes Jahr zu seinen Gunsten blühen./Denn Orpheus ist es.“Bei „reinem“ Widerspruch haben wir wohl an einen unversöhnten , auf Koexistenz anstatt Ausgleich angelegten Kontrast , bei „Lust“ hingegen an eine Bejahung des Lebens auch angesichts des Grabes zu denken.Das Wort Lust auf einem Epitaph sehr ungewönlich erscheint , und so auch die Metapher des Schlafes für den Tod wirkt banal.
Wer aber ist deiser“ Niemand“ , von dessen Schlaf oder vielmehr Nichtschlaf hier die Rede ist ? Vielleicht erklärt man „Niemandes Schlaf“ irgendwie gern als einen Zustand , in dem die Rose für sich und um ihrer selbst willen blüht , ihre Bezugnahme auf den Toten , aus dessen Grab sie ersprießt .So lassen sich die aus Parallelstellen gewonnenen semantischen Fäden beliebig weiterspinnen , ohne daß sie sich zu einem festen Gewebe zusammenschlössen- geschweige denn zu einem , das das Gewicht einer jener „letzten Wahrheiten“ ertrüge , die man früher zur Erbauung oder Ermahnung der Nachkommen in Grabsteine einmeißelte.
Wir sollten es weniger philosophisch nehmen und uns auch am Wohlklang dieser Zeilen erfreuen , wobei wir beim Lautlesen einen Übergang von dunklen zu hellen Vokalen und von einem anfangs durch Kommata gehemmten zu einem freien Sprachduktus finden. In dieser Verschränkung des Stockenden mit dem Fließenden und des Widerspruchs mit der Lust ist schon das Ineinnadergreifen von Tod und Leben angedeutet , das für diesen Dichter eine Selbstverständlichkeit darstellte .
Für ein zwangloses Übergehen in einen Tod , der das Leben nicht wie ein Schlußpunkt beendet , sondern es wie ein Gedankenstrich auf anderer Ebene weiterführt.Bei einem solchen , von einem Toten an den anderen weitergereichten Stein kann man in der Tat von“ Niemandes Schlaf „ sprechen- ohne daß diese Zeilen damit restlos ausgedeutet wären.
Rilke hat einmal in einer Erzählung namens „Der Gräber„ , Szene eines Mädchenstodes so zärtlich schildert , daß die neben seinem Bett stehenden Schauenden im letzten Augenbilck ihm zwei Rosen über den Augen legen. Ist eine Beziehung zwischen den“ Lidern“ und der „Rose“ und zwar Rosenblätter? Die kürze Zeit der Rose weist keine Anspielung auf jene des Menschens auf und hier spielen die Todesrituallen keine Rolle? Kaum weiß man , worum es geht! Aber man möchte dies Gedicht immer noch lesen und flüstern und auswendig lernen.
Strukturell und etwa thematisch hat dies Gedicht grosse Ähnlichkeit mit japanischen dreizeiligen „Haiku“ Poesie. Rilke ,als ein für sich grosser Orientkenner , hatte ein Auge auf dieser Form der Dichtung oder nicht? All diese Tendenzen sieht man gewissermaßen hier und da in seiner Dichtung an. Aber vom direkten Einfluß kann man sicher nicht sprechen.
Das Begegnen des Dichters mit den Wörter ist hier in dieser zwölf Wörter , wie man schon erwartet , einmalig und genau diese Einmaligkeit klingt poetisch und konfliktzeugend. Bedeutungen schweben so im dichterischen Nebel und fliehen immer mehr, wenn wir ihnen nähern wollen.
„Er war ein Dichter und haßte das Ungefähre.” , dieser schöne Satz von Rilke in” Malte Laurids Brigge“ ,läßt sich nicht immer und nicht unbedingt auf Rilke eigene Lyrik , besonders Spätwerken anwenden. Ist die wahre Poesie etwas Gedichtes oder Gemachtes ? Oder eine Mischung aus der Beiden?
Schließlich sind große Dichter fast immer die große Fragenden. Sie legen immer Fragezeichen vor allen Dingen , die manchmal normal und naturgemäß aussehen. Hafez , Rumi (Maulawi), Hölderlin, Rilke , Brecht , Bachmann , Erich Fried und fast alle große Dichter stellen immer Fragen vor uns.
Wo steht übrigens geschrieben , daß die Lyrik und zwar der Lyriker immer Fragen beantworten mußen? Liegt ihre Werte manchmal nicht gerade darin , daß sie sie stellen und die Antwort uns d.h. dem Publikum überläßen?